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Abwarten und Teetrinken, wenn ich mal den Klassiker bemühen darf, dachte ich, warten wir mal ab, was passiert, nachdem die Sache ein paar Tage online ist und sich mehr Meinungen dazu sammeln würden. Es geht um pfandgeben.de, einer Plattform, welche zwischen sogenannten Pfandsammlern und Pfandgebern eben das namensgebende Gut vermitteln soll. Und? Abgesehen von den zu erwartenden „Haste´mal ne Mark-Kalauern“ und dem „ohne-Fleiß-kein-Preis“-Geschwätz scheint es offensichtlich einen breiten Konsens zu geben (die meisten Radiosender und Tageszeitungen berichteten ebenfalls „positiv“ über das gelungene Unterfangen), das Projekt als vorzeigewürdig und gesellschaftlich tragbar einzustufen, weil ja schließlich „alle was davon haben“. Will heißen, die wirtschaftlichen Vorteile aller Beteiligten bilden das einzige Kriterium ab, welches über die Akzeptanz in der Bevölkerung und gesellschaftliche Anerkennung der „guten“ Sache entscheiden soll. Im Gegenzug dafür erhält der Gebende seine Spenden-Absolution und kann fortan im wöchenendlichen Rhythmus die Überbleibsel seiner Eskapaden in eine gute Tat eintauschen – die römisch-katholisches, sowie die evangelisch-lutherisches Kirche erblassen hier vor Neid, soviel bußwillige Sünder vereint zu wissen.
Mein erster Blick wollte mich zunächst „toll und töfte“ schreien lassen, aber je länger ich darüber nachdachte, desto wütender wurde ich. Wütend auf mich, wohl erneut auf die obsolete Denke reinzufallen, welche die gesellschaftlich unsoziale Schere nur weiter auseinander falten lässt, über dieses ewig gestrige Verständnis von Hilfsbereitschaft, Güte und sozialer Gemeinschaft, welches mich schon in den 80er Jahren würgen ließ: also Care-Pakete mit all den Dingen, die wir für uns selber nicht mehr für gut befanden, aber für „die in der 3. Welt“ noch allemal gut waren, die konnten ja „froh sein, daß Sie überhaupt etwas von uns bekamen“. Auch wenn wir heute nicht mehr unsere Doggybags per Flieger verschicken und sicherlich, das ein oder andere Entwicklungsprojekt mittlerweile auch als solches zu verstehen ist, so ist doch gefühlt die Denke die gleiche geblieben.

Hier bleibt die Würde und die Selbstachtung ordentlich auf der Strecke. Anstatt daß eigentliche Problem zu lösen, wird hier im typischer BWLer-Manier ein wirtschaftlich orientiertes Modell aufgesetzt, welches dringlicher als vor der Schaffung, den Zustand der Armut stabilisiert und unmissverständlich die Position aller Beteiligten untermauert.

Das darf keine Lösung sein, weder kurzfristig und schon gar nicht langfristig.

Es ist ein immenser Unterschied, wenn sich Menschen dafür entscheiden, aus welcher Veranlassung auch immer die Reste anderer zu verwerten (diese Lage an sich ist schon beschämend genug für eine Zivilgesellschaft), ob nun für den Rest ihres Lebens oder nur als Übergangslösung, aber die Notleidenden jetzt per Handy (sic!) zu sich zur Linderung ihres Umstands zu bestellen, lässt die bedürftigen Menschen für immer im unteren Segment der Maslowschen Pyramide kriechen. Soziale Kompetenz kann man nicht kaufen.