Wer die Langen Foundation kennt, weiß um den Weg der durchschritten werden will, um zum eigentlichen Hauptaustellungsraum zu gelangen. Mir bereitet es jedesmal große Freude, die sehr strenge und grobe Architektur an unterschiedlichen Jahreszeiten zu betreten und jedesmals anders wahrzunehmen, bezieht sie doch die umgebende Natur an jedem Ort mit ein. Auf dem Weg abwärts ins Souterrain, werden wir in die erste Arbeit von Takehito Koganezawas einbezogen – allerdings nur beim gutem Wetter. Denn die vielen kleinen Glasspiegelkugeln, welche jeweils an einem Uhrwerk befestigt sind, verwandeln den kleinen Raum bei Sonneneinstrahlung in ein kleines Lichtinferno. Damit folgte Koganezawas der gleichen Intention wie der Architekt des Gebäudes Tadao Ando und suchte ebenfalls den Dialog mit der Natur. Auf dem langem und lichtdurchfluteten Korridor zum Hauptausstellungsraum erklingen leise Klänge, die Bestandteil der gigantischen Videoinstalation sind. Im Hauptraum angekommen, ist man bereits mittendrin im Geschehen, denn von der Empore aus kann man die gesamten Szenerie überblicken. Die Projektionsfläche für die Arbeit „Particle Tickle“ bildet die rechte Wand es Gebäudes. Ich meine insgesamt 8 Beamer gezählt zu haben, welche leicht überlagernd eine Bildfläche von ca. 9x27m bildeten. Alle Beamer warfen Filme von Staubkörner an die Wand, die im Lichte eines Projektors zu sehen waren, in Endlosschleife. Große, kleine, verschiedenfarbige Staubkörner flimmerten durch den Raum. Manche so schnell wie eine Sternschnuppe, andere wiederum langsam aus dem Hintergrund nach vorne tastend, fast ängstlich, um im nächsten Augenblick davonzustoben. Oben, Unten, links oder rechts, trotz formeller Begrenzung durch die Projektion, schweben Sie in einem undefinierbaren Raum und folgen allesamt einer großen, nicht sichtbaren und Wellenbewegung; wie Sardinenschwärme im weiten Ozean, erleben wir das Unnützeste aus dem Alltag in seiner dynamisch lebendigsten Form. Koganezawa lädt geradezu ein sich in dieser Welt zu verlieren und treiben zu lassen, loszulassen und den Versuch zu begraben, jedes einzelne Staubkorn erfassen zu wollen, geschweige den die gesamte Szenerie – es ist schier unmöglich und das Versagen Programm. Ausbleibend auch die Antwort auf ein Anfang und ein Ende der Arbeit – es ist ein ständiger Fluß. Den Ausstellungsraum durchdringen sphärische Klänge, welche in Kombination mit der Projektion ungeahnte Wahrnehmungsspielräume ermöglichen. Der beider Zusammenspiel umschmeichelt und ergänzt einander, schafft visuelle Ruheräume, um sogleich elegant akkustisch zu entschweben. Das Visuelle verdichtet den Klang zu einer Harmonie mit melancholischen Überlagerungen. Einmal darauf eingelassen, möchte man Stunden verweilen und als Feenstaub im Universum davonschießen. Gut, ich muß gestehen Letzteres ist auf den, sagen wir mal nicht so hochwertigen, Weißwein zurückzuführen welcher gereicht wurde und mich binnen weniger Sekunden kurzzeitig Schach-Matt gesetzt hat; und mir so leider auch während des anschließenden Künstlergesprächs eine absolute Maulsperre verhängt hat.

Absolut empfehlens- und sehenswert!

Wer Zeit hat sollte am kommenden Samstag, den 16. Juli 2011, das Sommerfest der Langen Foundation aufsuchen, wo Koganezawa gegen 20Uhr in einer Liveperformance eine weitere spannende Videoarbeit präsentieren wird.