Brokenheart

Es gibt Sie immer wieder diese Tage, an welchen man morgens aufwacht, zeitig, und genau deshalb der Ablauf ins Wanken gerät, weil man zulange mit dem Kaffee im Bett, dem Tagesanbruch in seiner Timeline am Handy fröhnte– hastig und freudig das Haus verlässt und wie immer etwas auf dem Küchentisch zurücklässt; i.d.R. zur Freude der felinen Mitbewohner. Tage, welche ob des Verwirrungsgrades wegen, eben genau dann mit voller Wucht ein emotionales Epizentrum inmitten einer labilen Hülle aus Fleisch hinterlassen können. Der bevorstehende Termin im Kinderhospiz hätte meinem Unterbewußtsein Anlaß genug sein sollen, um mich in der Nacht zuvor vorbereiten zu können, doch es gab es keine Anzeichen für einen Umweg oder gar Stau auf dem Weg ins Wochenende. Es ist ja nicht so als wäre ich in den letzten beiden Jahren nicht durch sämtliche How-to-survive-your-personal-mental-shitstorm-Veranstaltungen durchgereicht worden – temporärer Zwischenstand Mensch 5 : Tier 4 – mußte nun aber das bislang positiv konnotierte Kindchenschema in seiner dunklen Auslegung kennenlernen. Ausgestattet mit einer ordentlichen Söldnerportion Mischung aus Wut und Trauer, sowie einem gesellschaftlich anerkannten Verdrängungspäckchen, habe ich mir daraufhin die zuletzt empfohlenen Tagebücher von Wolfgang Herrndorf vorgenommen, welche seit geraumer Zeit den digitalen Almanach füllen. Ähnlich seiner Einschätzung zu Dostojewskijs geistigem Auswurf, ist es mir mit ihm widerfahren: seine gekonnte und versteckte Art des wirklich relevanten Informationsflußes hat mich gefesselt, berührt und bestätigt; beide Ereignisse haben mir gezeigt,daß es Sie doch noch oder schon wieder gibt, diese Kultur sich mit dem Tode, nicht nur in Form der Verdrängung, auseinanderzusetzen, nicht zwischen Leben und Tod zu trennen und unterscheiden, sondern Sie als essentiellen Teil von uns zu verstehen. Beruhigend.